Europa, Garten der Lüste

Paradies, Stadtführung und Coaching in Fremdsprache

Daniel Cremer
Alicia Agustín / Antje Prust / Tucké Royale / Hans Unsternpage140image9800 page140image9960

Hundert Jahre nach der Katastrophe des Ersten Weltkriegs betreten wir ein neues, völlig verwandeltes Europa: Als nachhaltig befriedeter Kontinent, Wiege endloser kultureller Errungenschaften, Garten der Lüste, ... vom deutschen Austeritätsdiktat ausgehungerte Notgemeinschaft, postkoloniale Festung, neoliberal entsolidarisierter Binnenmarkt ... Es kommt darauf an, wen man fragt und von wo man darauf schaut.

In seiner Performance versucht Daniel Cremer möglichst viele denkbare Perspektiven auf Europa 2014 erfahrbar zu machen – am besten gleich alle auf einmal, am besten auf kleinstem Raum und im Nahkampf mit den ZuschauerInnen. Als »durational performance« ist der Garten der Lüste während des OpenCampus zugänglich und oszilliert zwischen drei grundlegenden Aggregatzuständen: zartes Paradies, praller Hedonismus und abstoßende Verdammnis. Cremer serviert als queerer Epikur ein Getränk unter rauschenden Bäumen, führt mit der Hysterie des von seiner Sache überzeugten Touristenführers die BesucherInnen durch die Pracht der offiziellen Hauptstadt der europäischen Jugend und verwandelt sich im nächsten Moment in den Erfolgscoach eines verschuldeten Kontinents, der in die notwendige Verteidigung des Gartens der Lüste einführt. Das alles in Cremers erfundener Fremdsprache, in der Affekte und Improvisation regieren und in der alle Beteiligten zumindest gleich wenig verstehen. 

Photos (c) Ute Langkafel MAIFOTO

 

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